Stadtwerke Dreieich

Viel mehr als Honig

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Viel mehr als Honig

Mario Kircher arbeitet bei den Stadtwerken und imkert in seiner Freizeit. Natürlich, weil es ihm Spaß macht. Aber auch, weil er einen Beitrag zum Naturschutz leisten möchte.

Ein Nachmittag Ende Juli. Auf einem Grundstück am westlichen Rand von Sprendlingen ist deutlich ein sonores Summen wahrnehmbar. Hunderte Bienen kommen von ihrem Ausflug zurück, um das Gesammelte abzuliefern. Andere fliegen noch einmal raus. „Jetzt ist schon nicht mehr viel los“, weiß Mario ­Kircher. Dem Hobby-Imker gehören die fünf Völker, die hier – geschützt hinter einer Brombeerhecke – in ihren Beuten leben. So heißen die Kästen für domestizierte Bienen.

Nicht ganz uneigennützig konstruiert

Jene Beuten erfüllen zwei wichtige Anforderungen: Zum einen bieten sie den emsigen Insekten Schutz vor Wind, Wetter und Fressfeinden. Zum anderen sind sie so aufgebaut, dass auch der Imker auf seine Kosten – soll heißen an den Honig – kommt. Dazu ist die Beute in unterschiedlich hohe Stockwerke – im Fachjargon Zargen genannt – aufgeteilt. Ganz unten befindet sich der Eingang, das sogenannte Flugloch. Direkt darüber folgt die Brutraumzarge. In hier eingehängte Rahmen bauen die Bienen Waben für ihren Nachwuchs. Deshalb hält sich die Königin in diesem Bereich auf.
„Genau genommen sorgen wir Imker dafür, dass die Königin diesen Bereich nicht verlassen kann“, erklärt Mario Kircher. Denn ein Gitter, durch das nur die kleineren Arbeiterinnen passen, versperrt ihr den Weg in das nächste Geschoss. „Hier lagern die Bienen den Honig für den Winter ein“, führt der Dreieichenhainer weiter aus. Und genau den nimmt er ihnen heute weg. Wie üblich zu dieser Jahreszeit.

 

Quote

Der Naturschutz war ein wichtiger Antrieb für mich, mit dem Imkern anzufangen.“

Mario Kircher, Imker und Marketingreferent der Stadtwerke Dreieich

Was zunächst grausam klingt, erweist sich bei genauerem Hinschauen als gerechter Tauschhandel. Im Gegenzug versorgt der Imker die Bienen nämlich mit Zuckerwasser, mit dem sie gut über den Winter kommen. Im Gegensatz zu vielen ihrer wild lebenden Artgenossen. Deren natürliche Unterkünfte bieten nämlich deutlich weniger Schutz als die künstlichen Beuten und oft nicht genug Raum, weshalb die Vorräte häufig nicht ausreichen. Denn Bienen brauchen extrem viel Energie. Um die Königin durch die kalte Jahreszeit zu bringen, bilden die bis zu 10 000 Tiere eine Art Kugel um ihr Staatsoberhaupt. Durch winzige Flügelschläge und Zitterbewegungen erzeugen sie Temperaturen zwischen 20 und 30 Grad. Ebendies erfordert reichlich Zucker.

Kollektiver Instinkt

Im Frühjahr wächst ein Volk in kurzer Zeit auf bis zu 60 000 Individuen an. „Wann wie viele Bienen schlüpfen, organisiert das Kollektiv instinktiv“, erklärt Mario Kircher. Auch mit ihrer Chefin gehen Bienen nicht nur liebevoll um. Legt sie insgesamt zu wenig Eier und das Volk ist mit ihrer Arbeit unzufrieden, wird sie kurzerhand umgebracht und das Volk zieht sich eine neue Königin heran.
Stichwort Königin. Hier scheiden sich die Imker- Geister. Eine Fraktion kauft stets genetisch einwandfreie Königinnen, um bestimmte Merkmale zu erhalten – etwa Friedfertigkeit oder auch großen Honigertrag. Die andere lässt der Natur ihren Lauf. Dazu gehört auch Mario Kircher. „Ich habe nur die drei ersten Königinnen zu Beginn meiner Karriere 2021 angeschafft. Damit bin ich sehr gut gefahren.“ Ihm geht es nämlich nicht in erster Linie um die Ausbeute: „Ich esse selbst kaum Honig. Mich fasziniert einfach, wie Bienenvölker funktionieren, und ich weiß, wie wichtig sie für die Biodiversität sind.“

Ohne Bienen geht nichts

Wirtschaftlich betrachtet sind Bienen wichtige Nutztiere. Ihre Bestäubungsleistung ist von unschätzbarem Wert. Auch für Menschen. Schließlich bilden nur bestäubte Pflanzen Früchte aus und vermehren sich. Folglich tragen Bienen maßgeblich dazu bei, dass genug Pflanzen wachsen, die ihrerseits die Basis für jegliche Ernährung bilden.
„Dieser Zusammenhang war ein wichtiger Antrieb für mich, mit dem Imkern anzufangen“, erinnert sich Mario Kircher. Er wandte sich an den Drei­eicher Imkerverein, schaute ein Jahr lang einem erfahrenen Paten über die Schulter, um dann in der Saison 2021 selbst mit drei Völkern zu starten und stolze 13 Kilogramm Honig zu ernten. Das, was er heute Abend noch aus dem Waben schleudert, sollte den Ertrag von 2023 auf rund 95 Kilogramm steigern. Heißt: Die Chancen stehen gut, noch eines oder mehrere Gläser bei Mario Kircher zu erstehen …

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