Veröffentlicht am • Wissenswertes rund um Energie
Kaum ein Gesetz hat in den vergangenen Jahren für mehr Diskussionen in der Öffentlichkeit gesorgt als das Gebäudeenergiegesetz (GEG) – insbesondere weil gemäß GEG reine Gas- oder Ölheizungen sukzessive aus den Heizungskellern verschwinden und durch Wärmepumpen, Fernwärme und Co. ersetzt werden sollten. Die schwarz-rote Koalition möchte nun das GEG der Ampel-Koalition abschaffen und gab die Eckpunkte ihres neu geplanten Gebäudemodernisierungsgesetzes (GMG) Ende Februar bekannt. Demnach soll das Heizen wieder technologieoffen sein. Sprich, es ist weiterhin auch der Einbau neuer Gas- und Ölheizungen erlaubt, ohne dass sie mit 65 Prozent Brennstoff aus erneuerbaren Energien zu betreiben sind. Stattdessen ist eine sogenannte Biotreppe geplant, bei der sich die Brennstoffe schrittweise ändern sollen.
Die 65-Prozent-Regel gehört zu den zentralen Punkten des noch geltenden Gebäudeenergiegesetzes der Ampelregierung. Sie besagt, dass wer unter bestimmten Voraussetzungen eine neue Heizung einbaut, diese zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betreiben muss. Dies lässt sich beispielsweise mit Wärmepumpen, Fernwärme, Solarthermie und bestimmten Hybridlösungen, sowie Holzpellets oder anderer Biomasse als Brennstoff erfüllen. Das große Ziel dahinter: Bis zum Jahr 2045 soll Deutschland klimaneutral sein, deshalb müssen auch die Treibhausgasemissionen im Gebäudesektor spürbar sinken. Ein weiterer Aspekt: Man wollte unabhängiger vom Import fossiler Brennstoffe werden. Im neuen GMG entfällt diese 65-Prozent-Regel komplett. Umweltverbände und Experten warnen bereits davor, dass die Abschaffung dieser Regel die Klimaziele im Gebäudesektor gefährdet. Einige Juristen geben zu bedenken, dass die Abschaffung mit EU-Vorgaben, beispielsweise der Gebäudeeffizienzrichtlinie, kollidieren könnte.
Mit dem GMG setzt die Regierung nun wieder auf Technologieoffenheit im Heizungskeller: Das heißt, dass Hauseigentümer weiterhin auch neue Gas- und Ölheizungen einbauen lassen dürfen. Um diese klimafreundlicher zu machen, sind lediglich Grüngas- und Grünölquoten geplant. Das heißt konkret: Dem Erdgas beziehungsweise dem Heizöl müssen CO2-neutrale Bestandteile, wie etwa Biomethan, Ökodiesel, synthetische Brennstoffe oder grüner Wasserstoff, beigemischt werden.
Der geforderte Anteil dieser klimafreundlichen Beimischungen soll bis zum Jahr 2040 schrittweise steigen, deshalb auch die Bezeichnung „Biotreppe“. Klar ist bisher: Ab 2029 müssen Gas- und Ölheizungen gemäß GMG mit einer Grüngas- oder Grünölquote von 10 Prozent betrieben werden, über die weiteren Stufen bis 2040 liegen noch keine Details vor.
Das ist schwierig einzuschätzen. Was aber bereits für einige Diskussionen gesorgt hat, ist die sogenannte Biotreppe. Denn Biogas, grüner Wasserstoff und Co. sind allesamt deutlich teurer als Erdgas und zudem bisher nur in sehr begrenzten Mengen vorhanden. Somit könnten die Kosten steigen.
Immobilienbesitzer haben zwar die Möglichkeit, sich auch zukünftig für eine Gasheizung zu entscheiden, die Frage ist aber, ob sich das finanziell noch lohnt. Denn auch wenn Anschaffung und Einbau vergleichsweise günstig sind, sollte man vor allem die Folgekosten beachten. Nicht nur die Biogastarife sind bereits heute teurer als konventionelle und die Kosten werden voraussichtlich noch steigen. Ebenso erhöht sich der CO2-Preis für den Anteil der fossilen Brennstoffe in den kommenden Jahren immer weiter – auch hier ist noch nicht abzuschätzen wie stark. Und nicht zuletzt erhöhen sich voraussichtlich in Zukunft ebenso die Kosten für die Netzentgelte. Denn je mehr Menschen sich für eine Wärmepumpe oder den Anschluss an ein Wärmenetz entscheiden, desto weniger Erdgaskunden müssen sich die Kosten für die Netze teilen. Klimafreundliche Heizungslösungen könnten Experten zufolge daher langfristig die wirtschaftlichere Alternative sein.
Ja, der Staat unterstützt den Kauf klimafreundlicher Heizungen wie beispielsweise Wärmepumpen auch weiterhin. Im Eckpunktepapier heißt es dazu: „Die auskömmliche Finanzierung der Bundesförderung effiziente Gebäude (BEG) wird mindestens bis 2029 sichergestellt.“
Diese Frage lässt sich zwar nicht für alle Gebäude pauschal beantworten, aber in vielen Fällen lohnt sich der Umstieg. Nicht zuletzt auch deshalb, weil die staatlichen Förderungen nach wie vor sehr attraktiv sind und sich die ohnehin schon effiziente Technologie zudem weiterentwickelt.
Generell steigen die Nebenkosten voraussichtlich aufgrund der höheren Preise für grüne Brennstoffe, allerdings soll es laut GMG Regelungen geben, die Mieter vor hohen Nebenkosten durch unwirtschaftliche Heizungen schützen. Konkrete Ausgestaltungen zu diesem Thema sind jedoch bisher noch offen.
Hierauf gibt es keine pauschale Antwort – denn jedes Gebäude ist anders und Eigentümer haben unterschiedliche Ansprüche. Daher ist es sinnvoll, sich gut zu informieren, bevor man eine übereilte Entscheidung trifft. Die Stadtwerke Dreieich stehen bei Fragen rund um die Wärmeversorgung zu Hause gern mit Rat und Tat zur Seite und unterstützen bei der Suche nach der individuell passenden Lösung. Mit dem Heizungspachtmodell Thermopur® haben Immobilienbesitzer sogar die Möglichkeit, eine zukunftsfähige Heizungsanlage ganz ohne Anschaffungskosten zu realisieren.
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Da bislang zum GMG nur ein Eckpunktepapier vorliegt, sind noch einige Details offen. Bis Ostern 2026 soll der Entwurf des GMG im Kabinett beschlossen werden und dann möglichst schon zum 1. Juli in Kraft treten. Ab diesem Stichtag würden nämlich bestimmte Fristen aus dem bisherigen GEG gelten. In Städten mit mehr als 100.000 Einwohnern müsste dann jede neu eingebaute Heizung der 65-Prozent-Vorgabe entsprechen. Neue Gas- und Ölheizungen, die diese Vorgabe nicht erfüllen, wären dort dann nach GEG nicht mehr erlaubt.
Die sogenannte „Technologieoffenheit“ bei Öl- und Gasheizungen klingt verlockend – doch sie birgt Risiken. Deshalb rät Steffen Arta, Geschäftsführer der Stadtwerke Dreieich zu vorausschauendem Handeln beim Heizungstausch: „Spätestens der Krieg im Nahen Osten hat uns wieder einmal gezeigt: Abhängigkeiten von Importen fossiler Energieträger machen uns verwundbar. Und die Preisschwankungen bei Öl und Gas werden uns vermutlich auch langfristig begleiten. Unsere Empfehlung ist deshalb klar: Nutzen Sie den nächsten Heizungstausch, um auf zukunftssichere Systeme umzusteigen – etwa auf Wärmepumpen oder Pellets. Oder prüfen Sie, ob ein Anschluss an die Fernwärme möglich ist, denn in einzelnen Gebieten in Dreieich bauen wir das Netz aus. Sprechen Sie uns an, wir unterstützen Sie gern bei der Suche nach einer individuell passenden Heizungslösung.“