FAQ – Ladestation für Elektroautos

Zur Lage der Gasversorgung in Deutschland

Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine hat eine Zeitenwende eingeläutet, die auch die Gasversorgung in Deutschland betrifft. Viele Kundinnen und Kunden fragen sich, wie sicher die Lieferung von Erdgas aktuell überhaupt noch ist. Die Stadtwerke Dreieich geben wichtige Antworten und erklären die Zusammenhänge.

Ist die Gasversorgung in Deutschland gefährdet?

Das wichtigste vorab: Aktuell gibt es keinen Versorgungsengpass – weder für Haushalte noch für die Industrie oder für Unternehmen. Dennoch hat die Bundesregierung am 30. März die Frühwarnstufe des sogenannten Notfallplans Gas ausgerufen. Auslöser war die Forderung Russlands, Gaszahlungen nur noch in Rubel zu begleichen. Das lehnen die G-7-Staaten und die EU jedoch ab.

Deshalb beobachtet und bewertet jetzt ein Krisenstab aus Vertretern von Behörden und der deutschen Gaswirtschaft die Lage und Entwicklung fortlaufend für die Bundesregierung. Falls nötig, leiten die Experten weitere Schritte ein. Die Ausrufung der Frühwarnstufe dient nach Angaben der Bundesregierung lediglich der Vorsorge. Das bekräftigt das Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz in ihren FAQ zum Notfallplan Gas.

Neben Deutschland haben auch die EU-Länder Österreich, Italien und Lettland ihren Notfallplan aktiviert und die Frühwarnstufe in Kraft gesetzt. Da die gegenwärtige Situation die Versorgungssicherheit der gesamten EU betrifft, beobachtet die Gaskoordinierungsgruppe der EU die Lage im Detail.

Was ist der Notfallplan Gas überhaupt?

Der Notfallplan Gas basiert auf einer EU-Verordnung von 2017 und regelt das Vorgehen Deutschlands, wenn Engpässe bei der Versorgung mit Erdgas drohen. Wichtig zu wissen: Haushalte und Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeheime stehen dabei unter einem besonderen Schutz – ihnen wir so lange Gas geliefert, wie es zur Verfügung steht. Der Notfallplan Gas unterscheidet drei Stufen – die Frühwarn-, die Alarm- und die Notfallstufe. In den ersten beiden Kategorien sichern marktbasierte Aktionen die Gasversorgung. Dazu gehören der Rückgriff auf Gasspeicher und die Beschaffung über andere Lieferanten. Hinzu kommen der Wechsel auf andere Energieträger und vertraglich geregelte Abschaltvereinbarungen mit der Industrie. Die Gaswirtschaft und die zuständigen Behörden beobachten dabei die aktuelle Lage sehr genau und bewerten die bestehenden Vorsorgepläne. Erst wenn diese marktbasierten Mechanismen nicht ausreichen, tritt die sogenannte Notfallstufe in Kraft. Das könnte geschehen, wenn die Lieferungen aus Russland abrupt ausfallen. Dann hält die Bundesnetzagentur das Heft in der Hand. Sie darf Zwangsmaßnahmen anordnen und beispielsweise bestimmte Gaskraftwerke und Industriekunden abschalten.

Wirkt sich der Stopp der Nordseepipeline Nord Stream 2 auf die Versorgungssicherheit aus?

Überhaupt nicht. Denn bislang strömte noch kein einziger Kubikmeter Erdgas durch die Pipeline Nord Stream 2 nach Deutschland. Deshalb hat das Aussetzen des Zertifizierungsverfahrens keinerlei Bedeutung für die Gasversorgung hierzulande. Das meiste russische Gas gelangt durch die Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland.

Wie wichtig ist Erdgas aus Russland für die deutsche Gasversorgung?

Keine Frage – Russland zählt aktuell noch zu den wichtigsten Importländern für Erdgas. Allerdings nimmt die Bedeutung bereits ab und wird künftig weiter drastisch sinken. Denn die Bundesregierung arbeitet seit Beginn des russischen Einmarschs in die Ukraine mit Hochdruck daran, die Gasbeschaffung zu diversifizieren. Lieferte Russland 2021 noch über 50 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases, hat sich dieser Anteil bereits bis April 2022 auf rund 40 Prozent verringert.

Außerdem decken Norwegen und die Niederlande einen großen Teil des deutschen Erdgasbedarfs. Eigene Vorkommen hierzulande steuern etwa sechs Prozent bei.

Darüber hinaus soll zunehmend Flüssiggas, kurz LNG, dabei helfen, den Gasbezug breiter aufzustellen. Großtanker transportieren den Brennstoff aus unterschiedlichen Regionen der Welt nach Europa – darunter aus Nordamerika, Katar und Australien. Aufgrund der aktuellen Ereignisse treibt die Bundesregierung den Aufbau einer eigenen Import-Infrastruktur voran, also von Terminals, um das Flüssigerdgas aus den Tankern ins Leitungsnetz zu bringen. Europaweit gibt es aktuell 37 LNG-Terminals. In den kommenden zehn Jahren sollen laut Bundesfinanzministerium bis zu vier schwimmende Flüssiggas-Terminals gebaut werden.

Welche Bedeutung haben Gasspeicher und wie steht es um deren Füllstand?

Die Vorratshaltung von Erdgas in riesigen Speichern spielt eine wichtige Rolle für die Versorgungssicherheit. Deutschlandweit gibt es zurzeit 51 solche Lagestätten mit einem Speichervolumen von insgesamt rund 24 Milliarden Kubikmetern. Aufgrund der aktuellen Ereignisse und der niedrigen Füllstände hat die Bundesregierung Ende März das sogenannte Gasspeichergesetz verabschiedet, um nationale Gasreserven vorzuhalten. Demnach sollen Betreiber ihre Speicher in mehreren Schritten bis Anfang Dezember 2022 auf 90 Prozent auffüllen. Die Bundesregierung unterstützt dies finanziell: Sie hat kürzlich 1,5 Milliarden Euro für die Beschaffung von Flüssiggas für Gasspeicher freigemacht. Aktuelle Füllstände aller europäischen Gasspeicher hält die Gas Infrastructure Europe aus Brüssel vor.

Lässt sich die Importabhängigkeit von russischem Gas kurzfristig weiter verringern?

Eine wichtige Stellschraube liegt tatsächlich im individuellen Verhalten – buchstäblich jede und jeder kann durch den sparsamen Umgang mit Energie helfen, den Erdgasbedarf zu verringern. Experten des Bundesverbands der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) errechneten, dass sich allein durch Verhaltensänderungen von Haushaltskunden bis zu 15 Prozent Gaseinsparpotenzial erschließen lässt. Ein Beispiel: Wer die Raumtemperatur um ein Grad verringert, benötigt rund sechs Prozent weniger Heizenergie. Die Stadtwerke Dreieich unterstützen gern mit weiteren Tipps, um kurz- und mittelfristig Energie und damit auch Kosten zu sparen. Nutzen Sie dafür unser Kontaktformular.

Gibt es weitere Möglichkeiten für Haushalte, den Erdgasbedarf zu verringern?

Üblicherweise schlummert im eigenen Heizungskeller ein relativ großes Potenzial. Viele Anlagen sind älter als 20 Jahre und verschwenden unnötig Energie. Der Wechsel zu klimafreundlichen Alternativen wie Brennwertkessel und Solarthermie, Wärmepumpe oder Brennstoffzellenheizung hilft, den Energieverbrauch deutlich zu reduzieren. Die Stadtwerke Dreieich unterstützen ihre Kunden bei der Wahl der passenden Lösung und bieten außerdem attraktive Finanzierungsmöglichkeiten mit dem Produkt Thermopur®. Aber auch all jene, die sich für Strom vom eigenen Dach entscheiden, verringern die Importabhängigkeit von Erdgas. Denn Gaskraftwerke decken einen wichtigen Teil des Strombedarfs. Mit Solarpur von den Stadtwerken Dreieich gelingt die Energiewende zu Hause ganz einfach: Das Pachtmodell beinhaltet alle Leistungen – von der Beratung über die Finanzierung bis hin zur Instandhaltung und Versicherung der Anlage.

Welche Ziele verfolgt Deutschland langfristig, um unabhängiger von Energieimporten zu werden?

Die Abkehr von fossilen Energieträgern wie Gas, Kohle und Öl ist längst beschlossen. Denn Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden – das Ziel hat die Bundesregierung schon vor dem Krieg in der Ukraine ausgegeben. Die aktuellen Ereignisse dürften diesen Prozess massiv beschleunigen. Deutlich schneller als bisher sollen erneuerbare Energien auch im Wärmemarkt die Abhängigkeit von Rohstoffimporten verringern. Heimisches Biogas – erzeugt aus Abfällen aus der Landwirtschaft und nachwachsenden Rohstoffen – dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen. Es lässt sich aufbereiten und dann als Biomethan in die vorhandene Gasinfrastruktur einspeisen und für herkömmliche Heizungen nutzen.

Welche Rolle spielt Wasserstoff im Wärmemarkt der Zukunft?

Grüner, also mit Ökostrom erzeugter, CO2-freier Wasserstoff gilt als Hoffnungsträger für den Weg in die klimaneutrale Zukunft. Das Potenzial ist riesig. Dies belegen zahlreiche aktuelle Pilotprojekte im Bereich Mobilität, Industrieproduktion oder Heizen. Schon heute leistet grüner Wasserstoff einen Beitrag zur Wärmewende. In mehreren Projekten testen Experten, ob er sich bis zu einem Anteil von 20 Prozent dem Gas im Verteilnetz beimischen lässt.

Das 9-Euro-Ticket ist nicht bei den Stadtwerken Dreieich erhältlich!

Das 9-Euro-Ticket erhalten Sie nur an den bekannten Vorverkaufsstellen, den Ticketautomaten oder direkt bei den Busfahrern im Bus.