FAQ – Ladestation für Elektroautos

Zur Lage der Gasversorgung in Deutschland

Russlands Angriffskrieg auf die Ukraine hat eine Zeitenwende eingeläutet, die auch die Gasversorgung in Deutschland betrifft. Viele Kundinnen und Kunden fragen sich, wie sicher die Lieferung von Erdgas aktuell überhaupt noch ist. Die Stadtwerke Dreieich geben wichtige Antworten und erklären die Zusammenhänge.

Was ist der Notfallplan Gas überhaupt?

Der Notfallplan Gas basiert auf einer EU-Verordnung von 2017 und regelt das Vorgehen Deutschlands, wenn Engpässe bei der Versorgung mit Erdgas drohen. Wichtig zu wissen: Haushalte und Einrichtungen wie Krankenhäuser und Pflegeheime stehen dabei unter einem besonderen Schutz – ihnen wir so lange Gas geliefert, wie es zur Verfügung steht. Der Notfallplan Gas unterscheidet drei Stufen – die Frühwarn-, die Alarm- und die Notfallstufe. In den ersten beiden Kategorien sichern marktbasierte Aktionen die Gasversorgung. Dazu gehören der Rückgriff auf Gasspeicher und die Beschaffung über andere Lieferanten. Hinzu kommen der Wechsel auf andere Energieträger und vertraglich geregelte Abschaltvereinbarungen mit der Industrie. Die Gaswirtschaft und die zuständigen Behörden beobachten dabei die aktuelle Lage sehr genau und bewerten die bestehenden Vorsorgepläne. Erst wenn diese marktbasierten Mechanismen nicht ausreichen, tritt die sogenannte Notfallstufe in Kraft. Das könnte geschehen, wenn die Lieferungen aus Russland abrupt ausfallen. Dann hält die Bundesnetzagentur das Heft in der Hand. Sie darf Zwangsmaßnahmen anordnen und beispielsweise bestimmte Gaskraftwerke und Industriekunden abschalten.

Was heißt „Alarmstufe“ im Notfallplan Gas und was bedeutet sie für Kundinnen und Kunden?

Es gibt drei Warnstufen im Notfallplan Gas des Bundesministeriums für Wirtschaft und Klimaschutz: die Frühwarnstufe, die Alarmstufe und die Notfallstufe. Bis 22. Juni 2022 befanden wir uns in der ersten Stufe, also der Frühwarnstufe. Am 23. Juni 2022 hat die Bundesregierung die zweite Stufe, die Alarmstufe, ausgerufen. Sie tritt dann ein, wenn eine Störung der Gasversorgung oder eine außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Gas vorliegt, die zu einer erheblichen Verschlechterung der Gasversorgungslage führt. In der Alarmstufe ist der Markt aber noch in der Lage, diese Störung oder Nachfrage aus eigener Kraft zu bewältigen.

In der Alarmstufe greift der Staat daher noch nicht in die Gasversorgung ein. Das würde erst in der dritten und letzten Stufe, der Notfallstufe passieren. Sie tritt in Kraft, wenn eine außergewöhnlich hohe Nachfrage nach Gas vorliegt oder eine erhebliche Störung der Gasversorgung oder eine andere erhebliche Verschlechterung der Versorgungslage, sodass die Gasversorgung nicht ausreicht, um die noch verbleibende Gasnachfrage zu decken.

Bei der vorliegenden Alarmstufe ist damit zu rechnen, dass auch die Bundesregierung ihre Kommunikation in Sachen Energiesparen weiter intensiviert, um die Verbraucherinnen und Verbraucher entsprechend zu sensibilisieren. Das gilt auch für die Industrie: Wenn diese freiwillig auf Gasmengen verzichtet, können diese dem Markt zur Verfügung gestellt werden. Wie dieses Regelenergieprodukt konkret aussehen könnte, befindet sich aktuell noch in der Abstimmung.

Wie sieht denn die Gasversorgung aktuell aus?

Derzeit ist der Gasverbrauch in Deutschland der warmen Jahreszeit entsprechend gering. Damit wir durch den Winter 2022/2023 kommen, werden die Gasspeicher aber sukzessive aufgefüllt. Laut Gasspeichergesetz müssen die Füllstände am 1. Oktober bei 80 Prozent und am 1. November bei 90 Prozent liegen. Aktuell liegen die Speicherstände bei knapp 60 Prozent. Einen Engpass gibt es zwar nicht, aber die russischen Liefermengen sind bereits deutlich zurückgegangen. Das hat auch Auswirkungen auf den Zufluss in die Gasspeicher. Sprich: Es dadurch schwieriger, die für den Winter notwendigen Füllstände zu erreichen.

Was bedeutet die Ausrufung der Alarmstufe für die Stadtwerke Dreieich?

Als Netzbetreiber müssen wir keine Maßnahmen ergreifen, um die Gasversorgung zu reduzieren. Aber der nationale Krisenstab muss speziellen engmaschigen Berichtspflichten nachkommen und die Lage entsprechend monitoren, damit daraus präventive Maßnahmen erstellt werden können. Und mit der Alarmstufe sowie einer weiteren Reduzierung der Gaslieferungen aus Russland könnten natürlich auch die ohnehin volatilen Energiepreise an den Großhandelsmärkten weiter steigen. Das würde sich auch auf die Verbraucherpreise auswirken. Die jüngst vom Bundestag verabschiedete Novelle des Energiesicherungsgesetzes (EnSiG) erlaubt im Falle der „Alarmstufe“ auch entsprechende Preisanpassungen, wenn die Großhandelspreise in einer Engpasssituation extrem stark ansteigen.

Was können unsere Kunden tun?

Jeder kann mithelfen: Vom Industrieunternehmen bis zum einzelnen Bürger. In fast jedem Haushalt gibt es noch Möglichkeiten Energie einzusparen. Das dient nicht nur dem Klimaschutz und der Versorgungsicherheit, sondern entlastet auch das Portemonnaie.

Wir wollen unabhängig werden von fossiler Energie – für unsere Freiheit und unsere Sicherheit. Das schaffen wir, indem wir Energie sparen und erneuerbare Energien zügig ausbauen. Das geht aber nur zusammen – mit den über 80 Millionen Bürgerinnen und Bürgern in Deutschland.

Unter Energiespartipps für Zuhause finden Sie wertvolle Tipps zum Energiesparen.

Wirkt sich der Stopp der Nordseepipeline Nord Stream 2 auf die Versorgungssicherheit aus?

Überhaupt nicht. Denn bislang strömte noch kein einziger Kubikmeter Erdgas durch die Pipeline Nord Stream 2 nach Deutschland. Deshalb hat das Aussetzen des Zertifizierungsverfahrens keinerlei Bedeutung für die Gasversorgung hierzulande. Das meiste russische Gas gelangt durch die Pipeline Nord Stream 1 nach Deutschland.

Wie wichtig ist Erdgas aus Russland für die deutsche Gasversorgung?

Keine Frage – Russland zählt aktuell noch zu den wichtigsten Importländern für Erdgas. Allerdings nimmt die Bedeutung bereits ab und wird künftig weiter drastisch sinken. Denn die Bundesregierung arbeitet seit Beginn des russischen Einmarschs in die Ukraine mit Hochdruck daran, die Gasbeschaffung zu diversifizieren. Lieferte Russland 2021 noch über 50 Prozent des in Deutschland verbrauchten Erdgases, hat sich dieser Anteil bereits bis April 2022 auf rund 40 Prozent verringert.

Außerdem decken Norwegen und die Niederlande einen großen Teil des deutschen Erdgasbedarfs. Eigene Vorkommen hierzulande steuern etwa sechs Prozent bei.

Darüber hinaus soll zunehmend Flüssiggas, kurz LNG, dabei helfen, den Gasbezug breiter aufzustellen. Großtanker transportieren den Brennstoff aus unterschiedlichen Regionen der Welt nach Europa – darunter aus Nordamerika, Katar und Australien. Aufgrund der aktuellen Ereignisse treibt die Bundesregierung den Aufbau einer eigenen Import-Infrastruktur voran, also von Terminals, um das Flüssigerdgas aus den Tankern ins Leitungsnetz zu bringen. Europaweit gibt es aktuell 37 LNG-Terminals. In den kommenden zehn Jahren sollen laut Bundesfinanzministerium bis zu vier schwimmende Flüssiggas-Terminals gebaut werden.

Welche Bedeutung haben Gasspeicher und wie steht es um deren Füllstand?

Die Vorratshaltung von Erdgas in riesigen Speichern spielt eine wichtige Rolle für die Versorgungssicherheit. Deutschlandweit gibt es zurzeit 51 solche Lagestätten mit einem Speichervolumen von insgesamt rund 24 Milliarden Kubikmetern. Aufgrund der aktuellen Ereignisse und der niedrigen Füllstände hat die Bundesregierung Ende März das sogenannte Gasspeichergesetz verabschiedet, um nationale Gasreserven vorzuhalten. Demnach sollen Betreiber ihre Speicher in mehreren Schritten bis Anfang Dezember 2022 auf 90 Prozent auffüllen. Die Bundesregierung unterstützt dies finanziell: Sie hat kürzlich 1,5 Milliarden Euro für die Beschaffung von Flüssiggas für Gasspeicher freigemacht. Aktuelle Füllstände aller europäischen Gasspeicher hält die Gas Infrastructure Europe aus Brüssel vor.

Lässt sich die Importabhängigkeit von russischem Gas kurzfristig weiter verringern?

Eine wichtige Stellschraube liegt tatsächlich im individuellen Verhalten – buchstäblich jede und jeder kann durch den sparsamen Umgang mit Energie helfen, den Erdgasbedarf zu verringern. Experten des Bundesverbands der deutschen Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) errechneten, dass sich allein durch Verhaltensänderungen von Haushaltskunden bis zu 15 Prozent Gaseinsparpotenzial erschließen lässt. Ein Beispiel: Wer die Raumtemperatur um ein Grad verringert, benötigt rund sechs Prozent weniger Heizenergie. Die Stadtwerke Dreieich unterstützen gern mit weiteren Tipps, um kurz- und mittelfristig Energie und damit auch Kosten zu sparen. Nutzen Sie dafür unser Kontaktformular.

Welche Rolle spielt Wasserstoff im Wärmemarkt der Zukunft?

Grüner, also mit Ökostrom erzeugter, CO2-freier Wasserstoff gilt als Hoffnungsträger für den Weg in die klimaneutrale Zukunft. Das Potenzial ist riesig. Dies belegen zahlreiche aktuelle Pilotprojekte im Bereich Mobilität, Industrieproduktion oder Heizen. Schon heute leistet grüner Wasserstoff einen Beitrag zur Wärmewende. In mehreren Projekten testen Experten, ob er sich bis zu einem Anteil von 20 Prozent dem Gas im Verteilnetz beimischen lässt.

Gibt es weitere Möglichkeiten für Haushalte, den Erdgasbedarf zu verringern?

Üblicherweise schlummert im eigenen Heizungskeller ein relativ großes Potenzial. Viele Anlagen sind älter als 20 Jahre und verschwenden unnötig Energie. Der Wechsel zu klimafreundlichen Alternativen wie Brennwertkessel und Solarthermie, Wärmepumpe oder Brennstoffzellenheizung hilft, den Energieverbrauch deutlich zu reduzieren. Die Stadtwerke Dreieich unterstützen ihre Kunden bei der Wahl der passenden Lösung und bieten außerdem attraktive Finanzierungsmöglichkeiten mit dem Produkt Thermopur®. Aber auch all jene, die sich für Strom vom eigenen Dach entscheiden, verringern die Importabhängigkeit von Erdgas. Denn Gaskraftwerke decken einen wichtigen Teil des Strombedarfs. Mit Solarpur von den Stadtwerken Dreieich gelingt die Energiewende zu Hause ganz einfach: Das Pachtmodell beinhaltet alle Leistungen – von der Beratung über die Finanzierung bis hin zur Instandhaltung und Versicherung der Anlage.

Welche Ziele verfolgt Deutschland langfristig, um unabhängiger von Energieimporten zu werden?

Die Abkehr von fossilen Energieträgern wie Gas, Kohle und Öl ist längst beschlossen. Denn Deutschland soll bis 2045 klimaneutral werden – das Ziel hat die Bundesregierung schon vor dem Krieg in der Ukraine ausgegeben. Die aktuellen Ereignisse dürften diesen Prozess massiv beschleunigen. Deutlich schneller als bisher sollen erneuerbare Energien auch im Wärmemarkt die Abhängigkeit von Rohstoffimporten verringern. Heimisches Biogas – erzeugt aus Abfällen aus der Landwirtschaft und nachwachsenden Rohstoffen – dürfte dabei eine wichtige Rolle spielen. Es lässt sich aufbereiten und dann als Biomethan in die vorhandene Gasinfrastruktur einspeisen und für herkömmliche Heizungen nutzen.

Wie wertet die Stadtwerke Dreieich die Lage?

Die Gasversorgung in Stadt und Kreis Offenbach ist aktuell weiterhin gewährleistet. Es lässt sich derzeit noch nicht abschätzen, wie lange die Versorgung ohne größere Eingriffe nahezu im Normalzustand weiterlaufen kann. In jedem Fall sind Haushaltskunden und Einrichtungen wie beispielsweise Krankenhäuser oder Altenheime durch gesetzliche Bestimmungen besonders geschützt. 

Die Stadtwerke Dreieich sind übrigens kein Importeur von „physischem“ Gas, bezieht Gas also auch nicht direkt aus Russland, sondern wir beschaffen unsere Mengen auf dem Großhandelsmarkt. 

Die kritische Situation zeigt, wie hoch die Dringlichkeit ist, dass wir durch die Energiewende unabhängig von fossiler Energieerzeugung werden. 

Langfristig benötigt es Energieautarkie, den Ausbau der Erneuerbaren Energien und den Umbau der Fernwärme auf klimaneutrale Quellen. Die Energiewende ist nicht nur der richtige Kurs für den Klimaschutz, sondern auch der entscheidende Hebel für die Unabhängigkeit von fossilen Energielieferungen aus Russland. 

Wissenswertes zu den Gasumlagen (ab 01.10.2022)

Warum gibt es die neuen Umlagen?

Die deutliche Kürzung der Gaslieferungen durch Russland betrifft auch die Gasversorgungssicherheit im Winter. Die Bundesregierung hat deshalb mehrere Maßnahmen ergriffen, um die Versorgungssicherheit zu stärken. Dazu gehört unter anderem die drastisch beschleunigte Einspeicherung von Erdgas in die Gasspeicher, aber auch von der Bundesregierung beschlossene Stützungsmaßnahmen für die großen Gasimport-Unternehmen, denen Gaslieferungen aus Russland weggebrochen sind. Sie müssen diese Gasmengen, die einen Teil des Gasbedarfs in Deutschland decken, jetzt in kürzester Zeit zu extrem hohen Preisen nachbeschaffen. Zur Finanzierung solcher Maßnahmen hat die Bundesregierung unter anderem die so genannte Gasbeschaffungs-Umlage neu eingeführt (hinzu kommt die so genannte Gasspeicher-Umlage). Sie wird auf den Gasverbrauch der Haushalte sowie den Verbrauch der Industrie- und Gewerbekunden erhoben.

Um welche Umlagen handelt es sich?

Es handelt sich um die Gasbeschaffungsumlage und die Gasspeicherumlage.

Was ist die Gasbeschaffungsumlage?

Über den § 26 Energiesicherungsgesetz (EnSiG) wird eine „Gasbeschaffungsumlage“ neu eingeführt, um die Mehrkosten für die Ersatzbeschaffung ausgefallener russischer Importmengen zu decken.

Die Trading Hub Europe (THE) hat am 15.8. die Höhe der Umlage festgelegt – sie beträgt 2,419 Cent/kWh (netto). Die Umlage unterliegt der aktuellen gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Diese Gasbeschaffungsumlage tritt zum 1.10.2022 in Kraft und ist bis zum 1.4.2024 befristet.

Was ist die Gasspeicherumlage?

Die „Gasspeicherumlage“ nach §35e Energiewirtschaftsgesetz (EnWG) soll die Kosten für die Füllung der Gasspeicher ausgleichen.

Die Trading Hub Europe (THE) hat am Donnerstag, den 18.08.2022 die Höhe der Speicherumlage festgestellt, sie beläuft sich auf 0,059 Cent/kWh (netto). Die Umlage unterliegt der aktuellen gesetzlichen Mehrwertsteuer.

Die Gasspeicherumlage wird am 1.10.2022 in Kraft treten und – anders als bei der Gasumlage – bis zum 1.4.2025 befristet sein.

Was machen die Stadtwerke Dreieich?

Die Stadtwerke Dreieich werden die Gasspeicherumlage genauso wie die allgemeine Gasumlage ab 1.10.2022 bei ihren Gas-Kunden erheben und die eingesammelten Gelder an die THE abführen. Die Stadtwerke Dreieich profitieren also nicht finanziell von dieser Umlage, sondern fungieren lediglich als „Sammelstelle“.

Wird es extra Rechnungen geben, oder erfolgt die Einziehung über die ganz normale Abrechnung?

Da die Umlagen als Preisbestandteil in den Gaspreis einfließen, gibt es keine separate Rechnung.

Was passiert mit den Abschlägen?

Auf Basis der durch die Umlagen bergründeten Preiserhöhung werden auch die Abschläge automatisch neu berechnet und angepasst. Der neue Abschlagsplan wird den Kunden in einem separaten Anschreiben kommuniziert.

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